Nach dem eher ernsten Einstieg in das Jahr, möchte ich heute etwas zwar nachdenkliches, aber helleres mit euch teilen. Habt ihr schon einen Spaziergang gemacht? Das schöne Winterwetter lädt ja förmlich dazu ein. Und was soll ich sagen? Bei Gehen kann ich am besten Denken. Und zwar noch vorne, nicht nur im Kreis, wenn die schweren Gedanken wie ein Bienenschwarm ihre Kreise ziehen, Und loslassen kann ich auch besser, wenn ich beginne, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Gerne nehme ich einen Gedanken mit auf einen. Spaziergang. Oder einen text, den ich vorher lese. Und manchmal denke ich auch nichts. Das ist auch gut. Und fast etwas buddhistisch. Jedenfalls tut mir Laufen gut. Für das Denken auf Deinem Spaziergang gebe ich Dir einen Text von Martin Walser mit. Wenig überraschend über das Gehen.
MUT
Mut gibt es gar nicht.
Sobald man überlegt,
wo man ist,
ist man schon an einem bestimmten Punkt.
Man muss nur den nächsten Schritt tun.
Mehr als den nächsten Schritt
kann man überhaupt nicht tun.
Wer behauptet, er wisse den übernächsten Schritt,
lügt.
So einem ist auf jeden Fall mit Vorsicht zu begegnen.
Aber wer den nächsten Schritt nicht tut,
obwohl er sieht,
dass er ihn tun könnte, tun müsste,
der ist feig.
Der nächste Schritt ist nämlich immer fällig.
Der nächste Schritt ist nämlich nie ein großes Problem.
Man weiß ihn genau.
Eine andere Sache ist, dass er gefährlich werden kann.
Nicht sehr gefährlich.
Aber ein bisschen gefährlich kann auch der fällige nächste Schritt werden.
Aber wenn du ihn tust, wirst du dadurch,
dass du erlebst, wie du ihn dir zugetraut hast,
auch Mut gewinnen.
Während du ihn tust,
brichst du nicht zusammen,
sondern fühlst dich gestärkt.
Gerade das Erlebnis,
dass du einen Schritt tust,
den du dir nicht zugetraut hast,
gibt dir ein Gefühl von Stärke.
Es gibt nicht nur die Gefahr,
dass du zuviel riskierst,
es gibt auch die Gefahr,
dass du zu wenig riskierst.
Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.
Dein Pfarrer Uwe Hayno Klaas Tatjes
Als Musik gebe ich Dir ein Weglied mit: