Adventskalender 6. Januar: Den Stern auf die Erde bringen

Publiziert am 6.01.2026

Mit dem heutigen Epiphaniastag sind wir am Ende des Adventskalenders angekommen. In meiner ostfriesischen Heimat heisst dieser Tag „lüttje Wiehnacht“ („Kleine Weihnacht“). Ab jetzt kommt wieder Alltag, wenn wir schon nicht mittendrin stecken. Für mich ist an diesem Tag die Frage, was von Weihnachten bleibt.
Dazu möchte ich Dir eine kleine Geschichte erzählen: Es wird erzählt, dass die Heiligen Drei Könige, als sie sich von der Krippe Richtung Heimat auf den Weg machten, noch einmal zum hellen Stern, der ihnen den Weg nach Bethlehem gewiesen hatte, aufblickten. Zu ihrem Entsetzten bemerkten sie, wie dieser Stern plötzlich anfing, niederzustürzen. Sie eilten mit ihren Kamelen an die Stelle, wo der Stern auf die Erde aufgeschlagen sein musste und fanden ihn in viele Teile zerbrochen vor. „Wir müssen den Stern wieder an den Himmel bringen“, sagten die drei und fingen an, all die Teile zusammenzusetzen und sie, dann wieder an den Himmel zu bringen. Aber so sehr sie sich auch mühten, es gelang ihnen weder, die Teile zusammenzufügen noch den Stern wieder an den Himmel zu bringen. Als sie betrübt zusammensassen, rief einer von ihnen plötzlich aus: „Was waren wir doch für Narren!“ Und die anderen beiden schauten ihn fragend an. „Gott ist doch auf die Erde gekommen, als Kind, wir haben es doch mit eigenen Augen gesehen“, sagte er da zu den beiden, „Der Himmel kommt auf die Erde, versteht ihr? Da ist doch klar, was es mit dem Stern, der auf die Erde gefallen ist, auf sich hat!“ Seine beiden Gefährten schauten immer noch fragend. Lachend sagte er da: „Von jetzt an sollen wir Gott nicht mehr im Himmel suchen, sondern bei den Menschen. Der Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen ist, erinnert uns daran und auch, dass wir anderen Menschen davon weitererzählen. Da teilten sie die Teile des Sterns unter sich auf, zogen jeder in sein Heimatland und erzählten den Menschen von diesem seltsamen, „heruntergekommenen“ Gott, der nicht im Himmel bleiben, sondern den Menschen nahe sein wollte. Und sie schenkten den Menschen ein Stück von dem Stern, der das alles durch sein Leuchten angezeigt hatte. Und so verbreitete dich die Nachricht immer wieder und auch das Leuchten des Sterns zog in seinen tausend Teilchen durch die Welt.
Auch wenn Dir Dein Glaube oft nicht gross vorkommt, wenn er oft im Alltag untergeht oder zu kurz kommt, dann denke daran, dass in jedem winzigen Teilchen des Sterns das ganze Leuchten enthalten war. Du bist mit Deiner Hoffnung ein Teil von einer grossen Geschichte und auch wenn Du nur wenig zu sagen oder zu Teilken hast, gehörst Du mit dazu. Auch durch Dich kann etwas leuchten, auch Du kannst mit kleinen Gesten, mit unbeholfenen Worten, aber einem warmen Herzen mithelfen, dass die Botschaft dieses „heruntergekommenen“ Gottes weiter ausgebreitet wird.
Unser Adventskalender ist an dieser Stelle an sein Ende gekommen. Ich hoffe, er hat Dir hier und da Freude gebracht, Dich schmunzeln lassen oder ins Nachdenken gebracht. Wir lesen uns im Adventskalender wieder am 1. Dezember 2026.
Ich wünsche Dir, dass Dich Gottes Sehe in Deinem Alltag, auf all Deinen Wegen begleitet und vor Dir leuchtet.

Dein Pfarrer Uwe Hayno Klaas Tatjes

Als Musik wähle ich natürlich einen Klassiker über den Weihnachtsstern: Stern über Bethlehem

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