Vor einigen Jahren war ich in den Bergen in Österreich unterwegs – spät im Juni, aber an manchen Stellen lag noch erstaunlich viel Schnee. Ohne Steigeisen, Pickel oder Seil bin ich trotzdem losgezogen. An einer Stelle querte ich ein Schneefeld, ging weiter – und hinter mir löste sich genau das Schneebrett, das ich eben überquert hatte. Vor mir lag schon das nächste, breiter und steiler. Hinüberzugehen traute ich mich nicht mehr, hochklettern war keine Option, zu steil. Also stieg ich ab. Unter mir Schrofen: steiniges, steiles Gelände, kaum Halt, kaum Gras, nur Felsbrocken, die unter mir wegbrachen und ins Tal kullerten. Mir war klar: Würde ich fallen, erginge es mir nicht besser als diesen Steinen. Irgendwann bin ich auf allen Vieren gekrochen, habe mich schliesslich zitternd hingesetzt – am Ende meiner Kräfte und meines Mutes. Und dann, fast zufällig, im Rucksack: ein Stück Schwarzbrot, das ich ganz vergessen hatte. Es gab mir genau den Mut zurück, den es brauchte, um den Weg zu Ende zu gehen.
Diese Woche werden bei uns die Konfirmandinnen und Konfirmanden eingesegnet. Es gibt ein gutes Essen, hinterher vielleicht den Festtagskuchen als Dessert, dazu Fotos und schöne Worte – das gehört dazu, das ist schön. Aber die eigentliche Frage stellt sich erst danach, wenn der Alltag wieder da ist: Was bleibt?
Nicht der Kuchen, der schnell aufgegessen ist. Eher das Schwarzbrot – unscheinbar, nicht süss, aber genau das, was trägt, wenn es wirklich brenzlig wird. Der Segen, den die Jugendlichen am Sonntag mitbekommen, ist genau so ein Stück Schwarzbrot. Im Moment merkt man ihn vielleicht kaum, er liegt einfach in der Tasche. Aber irgendwann, an einer Stelle im Leben, wo es steil wird, ist er plötzlich da – und gibt genau die Kraft, die es braucht, um weiterzugehen. Schon der uralte aaronitische Segen ist so gebaut, kein grosses Pathos, nur ein paar einfache Sätze zum Mitnehmen: “Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.” (4. Mose 6,24-26)
Welches Stück Schwarzbrot trägst du gerade in deiner Tasche, ohne dass du es im Moment merkst?
Sei gut unterwegs in dieser Woche! Dein Pfarrer Uwe Tatjes