Neulich kam ich mit dem Velo von einem Gespräch zurück. Kurz vor unserer Kirche sah ich zwei Menschen mit Rucksäcken. Einen Mann und einen Frau. Im Vorbeifahren rief ich: “Seid ihr Pilger?” Sie waren etwas erstaunt: “Ja – wieso fragst du?” – “Weil ihr dann zum Kaffee eingeladen seid. Kommt einfach hoch!” Unsere Kirche ist nämlich Pilgerkirche auf dem Jakobsweg. Die Pilger kommen in unsere Kirche, bekommen ihren Stempel. Wenn ich da bin, bin ich gerne gastfreundlich, biete eine Tasse Kaffee an und lausche ihren Erzählungen.
Ich fuhr ins Gemeindezentrum. Stellte die Kaffeemaschine an. Wartete. Eine Weile passierte nichts. Dann sah ich nach: Da waren sie. Beide sassen in unserer Kirche. Ich lud sie noch einmal ein. Der Mann wollte nicht. Vielleicht hatte er seine eigene Geschichte mit Kirche – er lehnte freundlich ab und setzte seinen Weg fort. Die Frau kam mit mir ins Gemeindezentrum. Wir hatten eine sehr schöne Begegnung, ich gab ein paar Tipps für den Weg und drückte ihr zum Schluss eine Tüte Kirschen in die Hand, die ich selbst gerade geschenkt bekommen hatte.
Später schrieb sie, wie dankbar sie für diese unkomplizierte Freundlichkeit gewesen sei und dass die Kirschen die köstlichsten gewesen seien, die sie je gegessen habe. Daraus wurde ein echter Kontakt: Bis Genf habe ich sie mit Wegtipps begleitet, jeden Abend ein kurzer Austausch, sie erzählte von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.
Ansprechend sein beginnt offenbar damit, selbst anzusprechen. Schon die Emmaus-Jünger erleben das (Lukas 24): Auf ihrem Weg schliesst sich ihnen jemand an, bevor sie überhaupt fragen können, wer das ist – und genau aus diesem ungebetenen Mitgehen wird die Begegnung, die alles verändert. Nicht jede Tüte Kirschen führt nach Genf. Und nicht jeder Weg nach Emmaus endet mit einer Umkehr, die das ganze Leben umkrempelt.
Wann hast du das letzte Mal jemanden einfach angesprochen, ohne zu wissen, was daraus wird?
Trau Dich diese Woche etwas! Ermutigt Dich, Dein Pfarrer Uwe Tatjes