Wochentext #29/2026: Leere Hände

Publiziert am 12. Juli 2026

Neulich, abends: Ich bin hungrig. Und ich habe vergessen einzukaufen. Die Läden sind längst geschlossen. Also durchsuche ich die Schränke – ob sich nicht irgendwo noch etwas Leckeres versteckt. Roggenknäcke? Mit Butter und Salz auch gut. Eine Scheibe Schwarzbrot mit Erdnussbutter? Oder eine Fischkonserve? Ein Glas Suppe? Aber die Schränke sind so leer wie mein Magen. Alles wie leergefegt.

So ungefähr fühlt sich gerade auch das Schreiben dieses Wochentexts an. Leere. Nach Konfirmation, Sommerfest, Predigten, vielen Gesprächen – ich sitze vor dem weissen Blatt und warte. Nichts kommt. Die Hände offen, aber leer.

Die Bibel hat dafür überraschend wenig Mitleid, aber umso mehr Phantasie. Die Witwe, die zu Elisa kommt, hat auch leere Hände – nur noch ein kleines Krüglein Öl ist übrig. Elisa schickt sie nicht nach Hause zum Ausruhen. Er sagt: Besorg dir leere Gefässe. So viele wie möglich. Und dann fliesst das Öl – genau in die Leere hinein, so lange, bis keine leeren Gefässe mehr da sind (2. Kön 4). Nicht trotz der Leere. Wegen ihr.

Vielleicht ist Leere kein Versagen, sondern eine Einladung. Ein offenes Gefäss. Der Sommer hat sein Recht. Wir müssen einmal nicht produktiv sein. Dürfen uns auch mal treiben lassen. Müde fühlen und müde sein. Uns leer fühlen und warten, bis die Kraft oder die Lust zurückkehrt.

Was wäre, wenn Du Dein Erschöpftsein, Deine Leere, Deine Sommerträgheit dieser Tage nicht als Problem begreifst, sondern als Platz – für das, was noch kommen will? Was sich neu füllt und Dich neu inspiriert?

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine ebenso „leere“ wie „gefüllte“ Woche, Dein Pfarrer Uwe Hayno Klaas Tatjes