Es gab mal diesen wunderbaren Sport von der SBB „Unterwegs zuhause“. In schnellen Schnitten begleitet man eine sympathische Protagonistin zu den flotten Klängen des eigens für diesen Spot komponierten Songs „Welcome home“ (der sinnigerweise auch von zwei SBB-Angestellten, Selina Beyler und Hanspeter Zweifel, gesungen wurde) auf ihren vielfältigen Reisen mit der SBB durch das Land. Nicht nur die Darstellerin und der Song, sondern auch die Bilder und die Message absolute Sympathieträger. Die SBB als vielfältiger, zuverlässiger, fast überall vorhandener Transporteur, von Menschen, Gütern, Gefühlen, Träumen und Sehnsüchten. Der aber mehr als Transporteur ist, sondern Dir unterwegs zum Zuhause wird. Den Spot kann man unten anschauen. Und dieses Adventskalendertürchen wird natürlich auch auf einer Fahrt mit der SBB geschrieben.
Ich kann mich damit vollkommen identifizieren. Seitdem ich 2012 in die Schweiz kam, war ich immer Abonnent eines GA und auf unzähligen Reisen bin ich zwischen Wohn- und Arbeitsorten gependelt, zu Reisen oder Wanderungen aufgebrochen, habe mit der SBB viele Traumziele erreicht oder bin von ihr müde, aber meistens zufrieden wieder nach Hause gefahren worden. Ich bin ein alter Hase, kenne Wagentypen und verborgene Details, kenne mich auf vielen Bahnhöfen der Schweiz bestens aus und habe auf Reisen mit der SBB immer wieder interessante Menschen getroffen. Oder man setzt sich einfach in den Zug und staut aus dem Fenster, entdeckt staunend, welch ein schönes Land die Schweiz ist. Wie Malo oben auf dem Kampagnenfoto der SBB (© Rod Kommunikation).
Meine alte Kollegin und liebe Freundin Anja, mit der ich einige Jahre zusammen im Team arbeiten durfte, sagte mir immer: „Unterwegs bist Du am besten“. Sie meinte damit die vielen Lager und Jugendreisen, die wir zusammen gestalteten. Unterwegs lief ich immer zu bester Form auf, konnte mit dem Unbehausten einer Reise, mit dem Zwang, oft Improvisieren zu müssen und nicht zu wissen, was einen alles erwartet, gut und gelassen umgehen. Es waren oft Reisen voller Lachen und echter Lebensfreude.
Unterwegs zuhause. Das ist nicht das Ideal der meisten Menschen, die es lieber übersichtlich haben. Die gerne feste Adressen und Abläufe haben und sich nicht den Ungewissheiten einer Reise oder den Unbequemlichkeiten eines Aufbruchs aussetzen mögen. Das ist schade. Denn Jesus war ja selbst auch einer, der unterwegs war, von Dorf you Dorf zog, den Menschen unterwegs begegnete. „Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ (Lk 9,58) Unterwegs zuhause. Das ist ein wunderbares Startthema für den Adventskalender. Wenn wir dem Geheimnis nachspüren, dass Gott sich selbst aufmacht, um Mensch zu werden, wenn man ihn auf den staubigen Strassen und in den überfüllten Abteilen finden kann. Das kitzelt uns selbst, mal wieder einen Aufbruch zu wagen, wenigstens einen klitzekleinen. Oder uns zu fragen, warum wir uns damit so schwer tun. Denn für immer können wir uns hier und jetzt nicht einrichten. Einmal müssen wir wieder aufbrechen. Das wäre doch gut, das zu üben, das „Unterwegs zuhause“ sein. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass mich auf allen Wegen, in allen Aufbrüchen, in allem Unbehausten und Ungewissen Gott selbst begleitet und mir hilft, „unterwegs zuhause“ zu sein.
Begleitet ihr mich auf dieser kleinen Reise durch den Advent bis zum Epiphaniastag (6. Januar)? Dann schaut jeden Tag wieder herein.
Euer Pfarrer Uwe Tatjes