(© Illustration: Andreas Felger)
Von Herzen wünsche ich Dir „äs gutes Nöis“ und dass Du friedlich und fröhlich in das neue Jahr starten konntest. Die Jahreslosung für 2026 gibt uns ein Versprechen. „Siehe, ich mache alles neu!“ (Off. 21,5).
Das ist am Beginn des neuen Jahres eine hoffnungsvolle Botschaft. Der Seher Johannes erzählt sie auf der Insel Patmos einer verängstigten, vom mächtigen römischen Reich verfolgten Gemeinde. Grund zur Sorge haben wir leider auch.
Eine Weltordnung, in der es keine Gewissheiten mehr gibt ausser der, dass die Großmächte wie Raubtiere umherziehen und ihre Beute suchen, die Weltwirtschaftsordnung mehr als ungerecht, unsere Politiker sind eben auch nur Menschen und das meistens mehr als uns lieb ist, die Währung instabil und der innere Zusammenhalt unserer Gesellschaft geht mehr und mehr verloren. Wofür wollen wir leben? Wofür wollen wir kämpfen? Wie können wir möglichst viele und womöglich alle mit ins Boot holen? Dazu gesellen sich die kleinen und großen Katastrophen des eigenen Lebens: Beziehungen, die zerbrechen oder sich verändern, Sorgen um die Zukunft, das Ungenügen an den eigenen oder fremden Maßstäben, die Sehnsucht danach, zu Hause sein und das Wissen darum, noch auf der Suche zu sein.
Wir haben Angst vor der Apokalypse, vor dem Ende mit Schrecken. Vielleicht ist die Apokalypse oft viel leiser als wir vermuten. Eine Frau aus Ostdeutschland erzählte mir, dem Wessi, von einer Kindheitserinnerung, das zweiwöchige Ferienlager, wo man hinmusste – auch schon als Zweitklässlern. Und ihr Schrecken, bei einem Kinderspaß ertappt und dann vorgeführt und bestraft zu werden. Das wirkte nach bis heute. Als sie zufällig an der Stelle vorbeikam, wo das Ferienheim stand, da musste sie doch noch einmal schauen. Von dem Ferienheim war nichts geblieben. Wie so vieles aus der ostdeutschen Vergangenheit wegsaniert, abgerissen. Nur ein paar alte Steinplatten vom Parkplatz und vom Fahrweg waren noch da. Und das Eingangstor, auf dem zu beiden Seiten stand: Seid bereit!
Seid bereit! Das hätte sich damals niemand träumen lassen, dass die hoffnungsvoll aufgebrochene sozialistische Gesellschaft so sang- und klanglos verschwinden würde. Das hätte auch niemand gedacht, dass der Kapitalismus, der blühende Landschaften versprach und nur große Gewerbegebiete und neue Autobahnen baute, so einfach in eine tiefe Krise rutschen würde. Und wir hätten uns vermutlich auch nie träumen lassen, dass der Frieden in Europa bedroht ist und wir uns in einer Welt der Raubtiere wiederfinden, wo sich die Grossmächte um ihre Beute und die Reviere streiten.
Seid bereit! Seid bereit, dass Dinge sich ändern. Seid bereit, dass diese ungerechte Welt keinen Bestand hat. Seid bereit, dass sich Dinge wirklich ändern und nicht nur Gras über die Sache wächst, wie auf dem Gelände des alten DDR-Ferienlagers. Seid bereit: nicht nur für stille Apokalypse, sondern für lebendige Hoffnung, für aufrichtenden Trost.
Bist Du bereit, den Weg der Hoffnung mitzugehen?
Als Musik für den Jahresanfang wähle ich eine herrlich lebenslustige und ansteckende (Tanzen erlaubt!) keltische Musik aus Schottland: „Hoireann o“ von der Gruppe Capercaillie: