Adventskalender 13. Dezember: Kindergeschichten

Publiziert am 13.12.2025

Wir erzählen uns gerne Kindergeschichten, bis die Kinder selbst Geschichte machen, dem Buch ihres Lebens neue Kapitel und Abenteuer hinzufügen. Solange die Kinder klein sind, sind wir die Chronisten dieser Geschichten, an die sie sich (vielleicht) erst viel später erinnern werden. Dann, wenn sie selbst alt werden und sich wie durch Wunderhand bisher verschlossene Türen im Langzeitgedächtnis öffnen. Wir dagegen saugen sie auf, sind stolz oder gerührt, wenn wir erzählen können: Weisst Du noch, wie Du Deine ersten Schritte gemacht hast? Deine ersten Zähne bekommen hast? Wie Dein erst Schultag ablief? Als Du solange im Freibad gespielt und getobt hast, dass Du eingeschlossen wurdest? Als Du dem Hund die Haare geschnitten hast und Papa beim Autoputzen helfen wolltest, aber nicht wusstest, dass Schmirgelpapier dafür nicht die erste Wahl ist? Als Du unsere Essstube kniehoch mit Schaum gefüllt hast? Wir werden lachen und staunen, wie aus so einem kleinen Bündel am Anfang, ja einem Punkt im Bauch Diener Mutter, so ein vollkommenes kleines Wunder, so ein Born von unendlich viel Geschichten, Aufregung, Lachen und Weinen, Begleiten und Loslassen werden würde? Und uns als Erwachsenen, und vor allem als Eltern, die Augen reiben, weil da der Stolz mitschwingt, ein Teil und sogar ein Anstoss für all diese Geschichten zu sein und Rührung und Anteilnahme und natürlich ganz viel Hoffnung, dass in euch den Kindern oder unseren Kindern die Zeit weitergeht, die uns davonrennt und die Geschichte und die Geschichten weitergehen.

Von Jesus gibt es erstaunlich wenig Kindheitsgeschichten. Ein paar erbaulich wundersame gibt es schon, die von Jesus im Tempel, der die Gelehrten erstaunt. Oder wie er mit seinen Eltern flüchten musste vor der Wut des König Herodes. Aber insgesamt ist es eher angedeutet, was wir über Jesu Kindheit und seine Kindergeschichten erfahren. Indirekt erfahren wir, dass die Leute in Nazareth sich wundern, dass Jesus, der doch gerade als normaler Lausebengel durch die Gassen flitzte, jetzt als Lehrer durch das Land zieht. Und dass er seiner Mutter gehorsam war, erfahren wir auch. Die Evangelien sind ja auch keine Biographie, sondern ein Glaubenszeugnis. Anscheinend spielten die Kindergeschichten keine so grosse Rolle für die jungen Gemeinden, die sich die Geschichte von Jesus erzählten. Zwar gibt es in den Apokryphen, als den Schriften ausserhalb des biblischen Kanons, mehrere Kindheitsgeschichten und sogar das Kindheitsevangelium des Thomas. Doc diese Geschichten haben dieselbe Funktion wie reisserische Schlagzeilen in der Boulevardpresse oder krasse Posts in den sozialen Medien: Nur Sensationen werden wahrgenommen und tritt Jesus als Kind auf, das seinen tödlich verunglückten Spielkameraden wieder zum Leben erweckt, der zwölf Spatzen aus Lehm am Sabbath schafft und diese, als er für diese unerlaubte Aktivität am Sabbath gescholten wird, die Lehmspatzen in lebendige verwandelt.

Es ist vielleicht ganz gut, dass die Bibel so zurückhaltend mit Jesu Kindergeschichten ist. Dass sie ihn weitgehend ein normales Kind sein lässt, keinen Superhelden aus ihm macht, der sich schon als Kind unterscheidet und abgrenzt, nicht von dieser Welt ist. Jesu Umgang mit den Kindern, die damals nicht als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen wurden und wichtig waren im Blick auf die Altersversorgung der Eltern macht jedenfalls deutlich, dass er die Kinder anders wahrnimmt und würdigt. Er stellt sie als Vorbild für den Glauben und den Zugang in das Himmelreich heraus, gibt ihnen Raum und Zugang (Lk 18, 18-30). Und lässt sie einfach Menschen sein. Die ihren Raum und ihre Zeit brauchen. Und dabei natürlich viele Geschichten machen. Kindergeschichten eben.

Das Lied für heute stammt vom niederländischen Liedermacher Hermann van Veen, es ist ein Lied, das er seiner neugeborenen Tochter Anne widmete:

Den schönen Text des Liedes will ich an dieser Stelle auch nicht vorenthalten:
Die andren Babys sah ich nicht
Ich sah nur dein Gesicht
Anne

Du kniffst die Augen zu ganz schnell
Das viele Weiß war dir zu grell
Anne

Ich hab behutsam nachgezählt
Ob dir kein Zeh, ein Finger fehlt
Anne
Ich war verlegen und sehr stolz
Und du fandst mich zum lachen
Anne

Anne
Die Welt ist nicht so schön
Doch du kannst sie ein bisschen schöner färben
Anne
Du kriegst noch manchen Schuss vor’n Bug
Sein unbesorgt, die Sorgen kommen früh genug
Früh genug

Die Zeit vergeht, die bleibt nicht steh’n
Das wirst du nach und nach schon sehen
Anne

Wie schnell du dich von uns entfernst
Wenn du erst gehen lernst

Du drehst den Kreisel einmal rum
Und schon bist du ein Jahr
Älter

Kaum bist du ohne Babyspeck
Saust du schon auf dem Mofa weg
Anne

Anne
Die Welt ist nicht so schön
Doch du kannst sie ein bisschen schöner färben
Anne
Du kriegst noch manchen Schuss vor’n Bug
Sei unbesorgt, die Sorgen kommen früh genug
Früh genug

Die andren Babys sah ich nicht
Ich sah nur dein Gesicht
Anne

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