(© Bild „Brandspuren“ (2012-2016): Dieter Holliger, alle Bildrechte dort)
Ich schreibe dies unter dem Eindruck der Katastrophe in Crans Montana, bei der in einem fürchterlichen Brand in einer Bar, nach heutigem Stand 40 überwiegend junge Menschen ihr Leben verloren und weit über 100 verletzt wurden, viele davon mit schwersten Brandverletzungen. Ein solches Unglück macht fassungslos. Man weiss nicht, was man sagen soll angesichts des Ausmasses von Leid für die Betroffenen und die Angehörigen. In mir steigen Bilder aus meiner Zeit als Notfallseelsorger auf. Ich sehe Brandopfer, schreckliche Bilder, die man nie vergisst, ich weiss um das Leid, die Schmerzen, das Chaos in so einer Situation. Und auch, wenn man reden möchte, Antworten sucht, wenn es Fragen gibt nach Sicherheitskonzepten, Fluchtwegen, verbautem Material und fahrlässigem Leichtsinn mit Feuerwerk in Innenräumen, nach einem Fehlen von Sicherheitsinstinkten und dem Bedürfnis selbst im Angesicht einer Katastrophe noch das Handy zu zücken und zu filmen, ist all das heute nicht dran. Für heute ist es das beste zu schweigen, die Ersthelfer, Rettungskräfte und Mediziner ihre Arbeit machen zu lassen, die Angehörigen nicht allein zu lassen in bangen Momenten der Ungewissheit. Ich zitiere darum nur aus dem Lied unter der Nummer 39 aus dem Reformierten Gesangbuch.
Geborgen, geliebt und gesegnet, gehalten,
getragen, geführt, erkennen
wir Gott. Er begegnet, wenn Schweigen
den Schweigenden spürt.
Wir wären wie brüchige Wände, zerberstend
im nächtlichen Sturm, wenn
heute in Gott sich nicht fände Geborgenheit,
Tore und Turm.
Wir wären ein Nichts unter Sternen,
ein Hauch, den die Waage nicht misst,
wär Liebe, was wir nicht mehr lernen,
und Gott, was die Erde vergisst
Heute keine Musik, einfach Stille.
Dein Pfarrer Uwe Hayno Klaas Tatjes