Bei uns im Quartier gibt es eine Krippe. Irgendjemand hat sie liebevoll und handwerklich geschickt vor einem Wohnblock platziert. Am Abend und in der Dunkelheit wird sie beleuchtet. Verkehrstechnisch liegst sie strategisch günstig zwischen dem Quartier-Coop und zentralem Kreisel und einem grossen Neubauprojekt. Für Laufkundschaft ist also gesorgt. Allerdings liegt die Krippe wie der Stall von Bethlehem ein wenig abseits. Der Fussweg und die Strasse liegen etwas höher, aber von oben kann man den Glaskasten, ind em die Krippe untergebracht ist, aber gut sehen. Und mancher, ich gebe zu ich rechne mich dazu, wird neugierig geht hin und schaut sich das mal an. Krippenspieltechnisch wird man also quasi zum neugierigen Hirten (den Engel und die himmlischen Heerscharen muss man hier mit der erwachten Neugier identifizieren) oder auch zum Heiligen König, wenn man mit der gefüllten Einkaufstüte vom Coop heimkehrt und quasi mit Geschenken vor die Krippe tritt (und nein, bevor jemand fragt, unser Quartiercoop führt kein Gold, keinen Weihrauch und keine Myrrhe im Angebot – es sei denn es sind Aktionswochen 😁). Ich habe jetzt immer mal darauf geachtet, ob Leute stehenbleiben. Und tatsächlich, es sind recht viele, die stehenbleiben, hingehen, gucken. Alte, Junge, Eltern mit ihren Kindern. Und wenn die Leute wieder auf den Weg zurückkehren und ihren Weg fortsetzen, tun sie dies meistens mit einem Schmunzeln oder einem etwas fröhlicheren Gesicht. So stelle ich mir Weihnachten vor. Als eine ermutigende, fröhlichmachende Botschaft, die mitgeht auf unseren Wegen, in unseren Alltag. Die nicht wie die Festtagsdekoration abgeräumt wird, sondern bleibt und mitgeht. Und während an der Strasse schon die Christbäume für die Grünabfuhr bereitgelegt sind, steht die Krippe im Quartier immer noch. Auch der Adventskalender bleibt noch einen Tag. Mit dem morgigen Epiphaniastag werden wir unsere kleine Reise durch den Advent und den Weihnachtsfestkreis beenden.
Spätestens ab heute hat uns alle der Alltag wieder. Ich wünsche mir alltagstaugliche Weihnachten. Also eigentlich Weihnachten, die stattfinden, wenn nicht gerade Feiertage sind. Sondern uns so überraschen wie die Quartierkrippe am Wegesrand – mitten in unserem Alltag. Und die wir mitnehmen auf unsere Wege.
In diesem Sinne grüsse ich Dich mit einem Text von Bernhard von Clairvaux
Dein Pfarrer Uwe Hayno Klaas Tatjes
Der Herr zieht mit.
Er ist schon da!
Der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm.
Erfahr ihn, wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Der dich in Ungeahntes, Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh – du bist nicht verlassen.
Bernhard von Clairvaux (1090–1153, Kirchenlehrer)
Als Musik wähle ich heute das klassische Lied zum Jahreswechsel, das aber auch ein Weg und Alltagslied ist: Nun lasst uns gehen und treten (RG 548)

