Am Nationalen Trauertag haben wir heute in der Kirche innegehalten und der Menschen gedacht, die bei dieser Katastrophe ihr Leben oder ihre Gesundheit verloren haben. Wir haben an sie gedacht, die Angehörigen, die Ersthelfer und Rettungskräfte, die Augenzügen, die Einwohner von Crans Montana. vierzig Kerzen haben für sie in unserer Kirche gebrannt, begleitet von einem stillen Gebet. Für all sie hat sich dieser Tag eingegraben in das Gedächtnis, in das Empfinden. Er hat alles verändert. Ich kenne als ehemaliger Notfallseelsorger den Schrecken, das Schreckliche, das Chaos und die Verzweiflung in solch einem Augenblick. Es macht etwas von mir, wenn ich von diesem Ereignis lese, höre, Bilder sehe. Erinnerungen steigen auf. Bilder, die sich eingegraben haben. Ich weiss, wie grausam Brandverletzungen sind. Dennoch kann sich niemand das Ausmass des Leides vorstellen, das so ein Ereignis auf breiter Spur bei den Menschen, die es betrifft, hinterlässt.
Am schwersten ist es, mit dem Tod und dem Leid der Betroffenen fertig zu werden. Das bleibt eine offene Wunde, der man nicht mit frommen Sprüchen und schnellen Erklärungen begegnen kann. Aus meiner Erfahrung habe ich gelernt, dass es das Beste ist, für die Betroffenen da zu sein, zuzuhören, das Leid gemeinsam auszuhalten, sich zu unterstützen. Ich wünsche mir, dass alle betroffenen Menschen nicht nur jetzt Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen. sondern langfristig und auf dem langen Weg, den das Trauma solch eines Ereignisses bedeutet.
Pfarrer Uwe Tatjes
Memento
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr
– und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!
Mascha Kaléko
