In der Feedbackrunde des Konflagers sagten einige Jugendliche, dass sie sich hier und da ungerecht ansprechen oder behandelt fühlten. Auch zwei Teamer meinten, dass man in der Ansprache an die Jugendlichen einiges anders hätte ansprechen können. Das trübte nicht den Gesamteindruck, der bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut war. Dennoch habe ich das gehört.
Ich nehme das wahr und ich nehme das ernst. Habe ich wirklich den Jugendlichen Unrecht getan? Einen falschen Ton angeschlagen? Ich will und kann das nicht ausschliessen, denn im Eifer des Gefechts sagt man schnell Worte, die man nicht bedacht oder abgewogen hat. Ich muss auch immer wieder meine Sprache, meine Kommunikation (die immer mehr ist als nur Worte und Sprache ) überdenken? Ist sie angemessen? Aufmerksam? Und auch wenn man natürlich einwenden kann, dass die Jugendlichen auch leicht den falschen Ton anschlagen können oder durch ihr Verhalten einen bestimmte Tonlage provozieren, ist das ja keine Entschuldigung. Immerhin kann ich sagen, dass der Ton doch immer sehr ruhig war, niemand angeschrieen oder runtergemacht wurde. Aber ich will auch in den Nuancen aufmerksam bleiben. Sprache ist Hoffnung, gehört zu werden. Das gilt in beide Richtungen.
Wir kann ein Gespräch, eine Begegnung gelingen? Ich denke, wichtig ist, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der das Gegenüber auch wirklich das Gefühl hat, offen und ehrlich sprechen zu können. Wo nicht Macht, Strukturen oder negative Emotionen Vertrauen im Keim ersticken. Und ich muss natürlich Interesse am Anderen zeigen, an seiner Meinung, seinen Bedürfnissen. Dazu gehört vielleicht auch der Abstand zu sich selbst: ich bin nicht der wichtigste Mensch auf der Welt, nicht nur ich habe recht, die Wahrheit ist meistens keine Einbahnstrasse und die Welt nicht Schweiz oder weiss, sondern meist ein Potpourri aus Grautönen, das Wahrnehmen, Fragen, Suchen, Abwägen und Zuhören erfordert. Und ich denke, wie bedauerlich ich es oft finde, dass wir uns oft schon ein Bild von einer anderen Meinung, einer anderen Person gemacht haben und uns hinter unseren Vorurteilen oder fest geprägten Meinungen verschanzen. Im unserer Gesellschaft kommt es immer mehr zu einem Lagerdenken, wo man nur noch die Bestätigung der eigenen Meinung sucht und jede Abweichung davon energisch bekämpft und sich dagegen abschottet. Ich denke an en Lied von Manfred Siebald, wo es heisst:
Gib mir die richtigen Worte
Gib mir den richtigen Ton
Worte, die deutlich für jeden von dir reden
Gib mir genug davon
Worte, die klären, Worte, die stören
Wo man vorbeilebt an dir
Wunden zu finden und sie zu verbinden
Gib mir die Worte dafür
Kann ich den richtigen Ton finden? Die Worte, die etwas öffnen und nicht verschliessen? Das Gespräch, das echtes Verstehen und Veränderung bewirkt?
Ich will fragend, suchend bleiben, immer auch an mir, an meiner Art, an meinen Worten arbeiten.
Das ist schliesslich auch ein biblischer Auftrag, wenn wir dem folgen wollen, der versteht und verstanden wird.
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
Johannes 10,11a.27-28a
Pfarrer Uwe Hayno Klass Tatjes