Ich wohne in Schmitten im vierten Stock. Man könnte unten am Eingang genauso gut anschreiben: “Die Sauna befindet sich im vierten Stock.” Auch in der Nacht kühlen sich die Räume kaum ab. Seit ein paar Tagen dusche ich darum kurz, bevor ich ins Bett gehe – nicht aus Waschzwang, sondern damit der Körper überhaupt zur Ruhe kommt. Auch im unteren Sensebezirk macht sich die Trockenheit bemerkbar: Weil gleich zwei Quellen gleichzeitig ausgefallen sind – die eine wegen Unterhaltsarbeiten, die andere vorsorglich nach einer Qualitätsabweichung –, müssen Tafers, Düdingen, Heitenried und weitere Gemeinden zurzeit sparsam mit dem Trinkwasser umgehen. Rasen giessen, Pool füllen, Auto waschen: vorerst tabu.
Die Hitze setzt allem zu, was wachsen will – dem Rasen genauso wie uns selbst. Aber sie ist nicht das Einzige, was gerade aufheizt: Auch Meinungen und Diskussionen eskalieren dieser Tage schneller, Gewissheiten, die lange selbstverständlich schienen, zerstieben förmlich in der Hitze der Debatte.
Die Bibel kennt diese Art Hitze auch – und ein überraschendes Gegenbild dazu. Der Prophet Elia erwartet Gott im Sturm, im Erdbeben, im Feuer auf dem Berg Horeb. Doch Gott zeigt sich in keinem davon. Erst danach, in einem leisen, sanften Säuseln, begegnet er ihm (1. Kön 19). Manchmal liegt die Antwort eben nicht in der nächsten Eskalation, sondern im Innehalten danach.
Wo könntest du diese Woche selbst zur kühlen Stelle werden – statt mitzuheizen?
Ich wünsche Dir ein kühles Plätzchen und ein wohltemperiertes Gemüt, Dein Pfarrer Uwe Tatjes