Der Himmel hat meine Gebete erhört: England ist nicht Weltmeister geworden. Und die Argentinier – nun ja, ihre Leistung im Final hätte den Pokal auch nicht verdient. Spanien hingegen schon: souverän, technisch brillant, manchmal fast unbarmherzig in ihrer Präzision. Herzliche Gratulation. Und die Schweiz? Hat ein sehr gutes Turnier gespielt – was sich natürlich nochmal besser anfühlt, wenn man den grossen Nachbarn aus dem nördlichen Kanton klar hinter sich lassen konnte. In meinem Panini-Album fehlen übrigens noch 212 Bilder. Falls jemand tauschen möchte.
Jetzt ist es vorbei. Alles hat seine Zeit, sagt Kohelet – eine Zeit zum Jubeln und eine Zeit zum Abpfeifen (Koh 3). Die Nichtfussballfans atmen auf. Und ich frage mich: Was war das eigentlich, was sechs Wochen lang die halbe Welt in seinen Bann gezogen hat?
Ich glaube, es ist die Möglichkeit, sich selbst zu vergessen. Mitzufiebern, mitzuleiden, mitzujubeln – als ob man selbst auf dem Rasen stünde. Und die Hoffnung, dass Überraschungen möglich sind: Kap Verde, die plötzlich Favoriten ärgern. Der Aussenseiter, der gewinnt. Das Ergebnis, das niemand für möglich gehalten hätte.
Das klingt fast wie eine Beschreibung von Kirche. Oder von dem, was die Bibel mit dem Reich Gottes meint: eine riesige Schar aus allen Nationen, Stämmen und Sprachen, die zusammenfindet (Offb 7,9) – nicht wegen eines Pokals, sondern wegen etwas, das noch grösser ist.
Warst Du eher Team Fussball – oder bist Du jetzt erleichtert, dass es vorbei ist?
Zum jeden Fall hoffe, dass Du wenigstens ab und an im Team Gemeinde dabei bist, wenn bei uns der Spielbetrieb wieder losgeht, zum Beispiel im Gottesdienst am 9. August um 9.30 in St. Antoni oder im Café « Gott & die Welt » am 21. Juli von 14.30-17.30 Uhr (Öffnungszeiten). 31. Juli von 9.30-11.30 Uhr oder am 5. August von 14.30-17.30 Uhr.
Dein Pfarrer Uwe Tatjes