#Wochentext 37/2026: Leben mit leichtem Gepäck

Publiziert am 6. September 2026

Vier Liter Wasser in den Satteltaschen. Eine Badehose, eine Plastiktüte für die nasse Badehose, ein schnell trocknendes Handtuch, ein Buch, Sonnencreme, etwas Kleingeld, meine Kamera, Postkarten, Briefmarken, ein paar Stifte. Alles passte in einen kleinen Rucksack. Das Gewicht spürte ich kaum. Jeden Tag 40–60 Kilometer durch die mal kargen, mal atemberaubenden Landschaften Südostsiziliens. Leben mit leichtem Gepäck – und es funktioniert erstaunlich gut.

Ich will nicht asketischer klingen als ich war: Am Abend wartete jeweils ein Hotelzimmer auf mich, und ein feines Abendessen. Aber das änderte nichts an der Erfahrung: Ich brauche gar nicht so viel. Nicht so viel Ballast, nicht so viele Sorgen und Gedanken. Mit weniger sah ich in diesen Tagen klarer, was wirklich wichtig ist.

Im Lukasevangelium sagt Jesus seinen Jüngern beim Aussenden: “Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!” (Lk 10,4). Ich muss zugeben, ich war geschockt, als Eltern mir diesen Vers einmal als Taufspruch für ihr Kind vorschlugen. Braucht ein Kind nicht gerade Fürsorge, Vorsorge, Absicherung? Aber die Eltern erklärten es mir: Auch wir sind als Paar aufgebrochen, ohne alles vorauszusehen oder mitnehmen zu können. Manches haben wir selbst erworben, manches wurde uns geschenkt, manches hat uns überrascht. Wir wollen offen bleiben – für den Weg, füreinander, und für Gott. Das möchten wir auch unserem Kind mitgeben. Da habe ich es verstanden.

Und mir wurde auf meiner Reise tatsächlich so viel geschenkt: wunderbare Landschaften, die Barockstädte des Val di Noto mit ihrer verschwenderischen Schönheit, freundliche Begegnungen, Momente des Glücks und der Erkenntnis.

Wo müsstest Du mal Ballast abwerfen?

Fragt Dein reiselustiger Pfarrer Uwe Tatjes