#Wochentext 38/2026: Schleichwege

Publiziert am 13. September 2026

Egal wo ich hinkomme – ich möchte schnell die Geographie des neuen Ortes kennenlernen. Wege, Landschaften, Wegmarken. Und sobald ich ein paar Wege kenne, suche ich nach Schleichwegen. Wege, die nicht jeder kennt, die Neugier und ein bisschen Abenteuer versprechen, eine Abkürzung oder wenigstens Abwechslung. Der Weg von St. Antoni an der katholischen Kirche vorbei, am Waldrand entlang, durch einen imposanten Sandsteinhohlweg nach Weissenbach – so einer. Oder von Burg über Menzishus, sanfte Hügel, Felder, verstreute Gehöfte, nach St. Antoni. In Zürich kann man auf Schleichwegen sogar ein ganz anderes Niveau erreichen: mit dem Sihllift hoch zum Hürlimannareal, oder mit dem Lift am Lettenviadukt auf den Helsinki-Highway – für Velofahrer Gold wert.

Schleichwege eröffnen neue Perspektiven, verlaufen abseits des Gewohnten, überraschen. Und es braucht Neugier, Kreativität und Spürsinn, um sie zu finden.

Das ist auch eine gute Beschreibung von Glauben. Abraham bricht auf – ohne Karte, ohne Ziel, nur mit einem Versprechen. Er findet seinen Weg nicht auf der Hauptstrasse, sondern indem er geht. Der Weg entsteht nicht im Vertrauten, sondern durch Vertrauen – durch den Schritt ins Neue und Unbekannte hinein. Im Gesangbuch steht es so: „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heisst: sich regen, weil Leben wandern heisst.“ (RG 843)

Auch in unserer Gemeinde fragen wir uns: Welche Pfade sind schon ausgetreten? Welche neuen müssen wir erst entdecken? Und auf welchen Schleichwegen erreichen wir die Menschen, mit denen wir unterwegs sind?

Hast du Lust, uns dabei zu begleiten – oder uns einen neuen Schleichweg zu zeigen? Das wäre schön. Und darauf läge Segen.

Dein Pfarrer Uwe Tatjes